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Text von Donnerstag, 25. April 2002


Buch-Bindung: Der Verleger und sein Autor

Marburg * (sfb)
"Wie entsteht ein Buch? Wie findet ein Autor den entsprechenden Verlag?" Diese Fragen beantwortete der Verleger Hartmut Becker am Mittwochabend (24. April) im Rahmen der 3. Marburger Buchwoche in den Räumen des Hotels "Waldecker Hof".
Es fing an wie eine Liebesschnulze in einem Dreigroschenroman. Der Autor Martin Bubach strandet nach vergeblichen Anläufen, einen Verlag für seine Leserbriefsammlung zu finden, auf einer Mini-Pressemesse in Mainz. Dort trifft er auf einen netten Herrn, mit dem er sich angeregt unterhält. Wie sich herausstellt, ist er Verleger, der sich für Bubachs Manuskript interessiert. Sie haben sich gesucht und gefunden: Bubach schreibt und Becker verlegt Werke zu religiösen Themen.
Bis zum Vertragsabschluss, der ihre Liebe zum Buch besiegelt, ist es nicht mehr weit. Doch Ernüchterung folgt der anfänglichen Euphorie auf den Fuß. Der Autor zahlt für die erste Auflage von 1.000 Exemplaren einen Zuschuss von sage und schreibe 5.000.- DM. Diese kostspielige Investition wird sich nicht einmal annähernd auszahlen. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet...", möchte man raten. Bei den hohen Kosten für die arbeitsintensive Herstellung eines Buches ist der Eigenanteil des Autors unabdingbar, sonst müsste der Verleger drauf zahlen", meinte Becker zu dieser gängigen Geschäftspraxis in kleinen Verlagen. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Verlage das Buch publizieren ungleich größer als bei den großen. Von 1.500 eingesandten Manuskripten haben lediglich zwei bis drei eine Chance, aufgelegt zu werden. Also auf zu den Kleinen!
Wie kommt aber nun der Autor an seinen Verleger? Als ersten Schritt empfiehlt Becker mit dem Manusskript zu einem Buchhändler zu gehen. Eine besonders lohnenswerte Möglichkeit, herauszufinden, welcher Verlag passen könnte, sind Buchmessen wie die in Leipzig, Frankfurt, oder die erwähnte Mini-Pressemesse in Mainz. Weitere Informationsquellen liefern Adressbücher des Deutschen Buchhandels, Kataloge, Nachschlagewerke wie der "Banger" oder das "Deutsche Jahrbuch für Autoren".
Die nächste Etappe auf dem Weg zum Buch ist, das Manusskript anzubieten, am besten telefonisch, rät der erfahrene Fachmann. Die übliche Darreichungsform ist ein Exposé, in dem das Vorhaben erläutert wird. Wichtig ist ein aussagekräftiges Inhaltsverzeichnis und - vor allem - die Seitenzahlen. Hält der Verleger das Exposé dann in den Händen, prüft er, ob es kurz und prägnant, übersichtlich gegliedert und sprachlich in Ordnung ist. Ein weiteres Kriterium ist, ob es in das Verlagsprogramm passt. Ist soweit alles klar, fängt der Herstellungsprozess an. Das Buch muss lektoriert, gelayoutet und zu guter letzt gedruckt werden.
Doch damit nicht genug. Die arbeitsintensive Vermarktung folgt. Dazu gehören neben der Präsentation auf Buchmessen auch eine Lesung, wie sie Martin Bubach mit seinem Erstling "Leserbriefe zum Nachdenken" exerziert hat. Wie sein Beispiel zeigt, ist erheblicher Einsatz notwendig, damit schließlich das eigene Buch präsentiert werden kann.


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