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Text von Freitag, 15. November 2002


First Lady: Russische Seele in Marburg

Marburg * (kar)
Wer am Freitagabend (15. November) einen Spaziergang zum Schloss unternehmen wollte, der wurde enttäuscht. Bereits auf halber Höhe fingen Polizisten die Fußgänger ab. Hier durften nur persönlich geladene Gäste der 40.-Jahr-Feier des Deutschen Russischlehrerverbandes (DRLV) und Vertreter der Presse passieren.
Im Schloss selbst waren die Kontrollen so streng, dass sogar eine Gitarre genauestens unter die Lupe genommen wurde, bevor ihr der Zutritt in den Fürstensaal gestattet wurde. Diese außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen trugen dem Besuch der russischen First Lady Ljudmilla Aleksandrovna Putina Rechnung.
In ihrem Grußwort gratulierte sie dem DRLV zu seinem Jubiläum. Nicht zuletzt dem Engagement der Russischlehrer sei es zu verdanken, dass das Interesse an der russischen Sprache in Deutschland wachse. "Dass heutige Russland ist eines der dynamischsten Länder Europas", warb Putina für ihre Heimat. Es werde immer interessanter, in Russland zu leben und zu arbeiten. Und aus diesem Grunde auch die russische Sprache zu lernen.
Putina zeigte sich beeindruckt, wie viele Menschen in Deutschland sowohl die russische Sprache hervorragend beherrschen als auch die Geschichte und Kultur des Landes kennen. Als aussagekräftiges Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland nannte die First Lady das deutsch-russische Jugendforum und die Spracholympiaden in beiden Ländern.
Kurz nach dem Festvortrag von Prof. Dr. Stefan Plaggenborg verschwand der Staatsgast allerdings schon wieder an der Seite der hessischen Kultusministerin Karin Wolff. Zuvor hatten noch der Präsident der Philipps-Universität Prof. Dr. Horst F. Kern, der DRLV-Vorsitzende Hartmut Nickig, Karin Wolff und Oberbürgermeister Dietrich Möller Gelegenheit, den hohen Gast zu begrüßen.
Alle Redner wiesen auf die lange Tradition der russisch-deutschen Beziehungen hin. Von Michael Lomonosov über Boris Pasternak, die beide in Marburg studiert haben, zog Kern eine Linie bis zum heutigen Kooperationsvertrag der Lomonosov-Universität Moskau und der Philipps-Universität. Der Präsident hob außerdem das "internationale Renommé der Philipps-Universität in Russlandwissenschaften" hervor.
Nach "40 Jahren zäher Arbeit" der Russischlehrer freute sich Nickig, eine positive Bilanz ziehen zu können: Russisch liege in den deutschen Schulen auf
dem dritten Platz hinter Englisch und Französisch, aber vor Spanisch. Sprachunterricht allein sei aber nicht genug. Er forderte, ein deutsch-russisches Jugendwerk analog zum deutsch-französischen Jugendwerk einzurichten.
Möller begrüßte Putina mit den Worten: "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel von der russischen Seele in dieser Stadt lebt." Völkerverständigung geschehe durch Literatur, Kunst und das Nachdenken über Geschichte, so Möller. Die Wirtschaft sei erst der zweite Schritt. In diesem Sinne lud Möller Putina ein, die historische Altstadt Marburgs bei einem Stadtrundgang kennen zu lernen.


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