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Text von Freitag, 17. Mai 2002


Traumberuf Journalismus: DJU informierte

Marburg * (sfb)
" Journalismus - ein Traumberuf?" lautete der Titel einer Informationsveranstaltung zu Einstiegsmöglichkeiten in den Journalistenberuf. Dazu hatten die Deutsche Journalistinnen - und Journalisten-Union (dju) und das Online-Forum literaturkritik.de für Donnerstagnachmittag (16. Mai) in das Hörsaalgebäude eingeladen.
Viele Wege führen nach Rom. Nach Dr. Susanne Stracke -Neumann, Mitarbeiterin des Bundesvorstands der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di)., sind es vier, die in den Journalismus führen. Neben Interesse und Talent sind ein einschlägisches Hochschulstudium oder ein 2-jähriges Aufbaustudium die allgemein gängigen Zugangsvoraussetzungen. Ausgebildet wird außerdem in den heißbegehrten, wenn auch schwer zugänglichen Journalistenschulen wie der Henri Nannen Schule oder der renommierten Münchener Journalistenschule. Der Königsweg führt in der Regel über ein zweijähriges Volontariat in einer Zeitungsredaktion.
Stracke-Neumann, die ihr Volontariat beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth absolviert hat, vermittelte Einblicke, was den angehenden Journalisten in einer Zeitungsredaktion erwartet. Wer glaubt, dass ein Zeitungsvolontär oder- Redakteur ausschließlich mit Mikro und Notizblock unterwegs sei, irrt . Neben Schreiben liege viel Organisatorisches an. Seiten müssen gelayoutet werden, Termine koordiniert bzw. an freie Mitarbeiter verteilt werden. Vor allem muß sich der Auszubildende auf unregelmäßige Arbeitszeiten einstellen.
Um ein Volontariatsstelle zu erhalten, reichen Führerschein oder Abitur allein nicht aus. Journalistische Vorerfahrungen über Praktika oder freie Mitarbeit bei einschlägigen Print- oder online-Medien und ein abgeschlossenes Hochschulstudium werden in der Regel vorausgesetzt. Eine dicke Mappe voller Arbeitsproben kann bei der Bewerbung nicht schaden.
Der Ansicht ist auch Dr. Lutz Hagestedt, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich "Neuere deutsche Literatur und Medien ". Zusammen mit Professor Thomas Anz leitet er das Projekt "Literaturvermittlung in den Medien" . Dieser an der Medienpraxis orientierte Studienschwerpunkt konfrontiert Studierende mit Institutionen wie Verlagen oder Agenturen bereits während der Hochschulausbildung. Nicht wenige Absolventen stehen mittlerweile in Lohn und Brot.
Was müssen Journalisten außer Talent und Interesse sonst noch mitbringen? Hagestedt berichtete über seine Erfahrungen als Rezensent für Tageszeitungen und Pressesprecher des Suhrkamp-Verlag. Journalisten sollten flexibel und für die verantwortlichen Redakteure unkompliziert zu handhaben sein.
Wer sich nicht gern handhaben oder in Hierarchien einbinden läßt, kann als freier Journalist tätig werden. Immerhin sind zwei Drittel aller Journalisten freiberuflich tätig; die Tendenz steigt. Die Festanstellung ist eher die Ausnahme, so Franz-Josef Hanke, Bundesvorstandsmitglied der dju. Gegenüber festangestellten Redakteuren können sich freie Journalisten auf Themen spezialisieren, die ihnen liegen. Allerdings belaufen sich die Durchschnittshonorare auf schlappe 27 000 DM im Jahr 2000. Studenten aus dem Auditorium bestätigten die miese Honorierung: 10 Cent pro Zeile bekommt ein Schreiberling bei einer Marburger Tageszeitung. Das Konkurrenzblatt zahlt stolze 13 Cent. Ein Foto bringt ganze 5 Euro. Ein neues Urhebervertragsrecht soll Abhilfe schaffen, so Hanke. "Ein Angemessenes Honorar" wäre dann verbindlich.
Die Konsolidierungsphase, bis freie Journalisten von ihrer Arbeit leben können, dauert durchschnittlich 1 bis 2 Jahre.
Freie Mitarbeit ist aber die Voraussetzung um einen Fuß in die Tür zu kriegen. Die Fragen der knapp 50 Anwesenden kreisten um Hinweise auf Praktika oder Tipps, wie man an ein Volontariat kommt.
Trotz Umsatzeinbußen, Kündigungen, Stellennabbau und der großen Welle von Insolvenzen bei Medienunternehmen, die zur Zeit übers das Land rollt, so lassen doch zuverlässige Prognosen auf Besserung hoffen. Bis 2015 ist nach Studien zweier Wirtschaftsforschungsinstitute ein enormer Stellenanstieg für Medienschaffende zu erwarten. So kann der Medien-Nachwuchs entspannt in die Zukunft blicken.


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