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Text von Samstag, 27. Dezember 2003

> k u l t u r<
 
 

 Mittelalterlich: Schlossfest zu Philipps Geburtstag 
 Marburg * (acs)
"Luther ist da, Thomas Müntzer ist da, der Kaiser ist auch schon eingetroffen. Und jeden Tag kommen neue Stargäste hinzu", berichtete Dr. Cornelia Dörr. Die Wissenschaftlerin der Philipps-Universität bereitet die Ausstellung des Landes Hessen zum 500. Geburtstag des Landgrafen Philipp des Grossmütigen vor. Das Programm des Renaissance-Schlossfestes zu Philipps Geburtstag stellten Bürgermeister Egon Vaupel und die Organisatoren am Freitag (27. August) im Rathaus vor. Veranstalter sind die Stadt Marburg, die Philipps-Universität und Marburg-Tourismus-Marketing (MTM).
Wie hat der Marburger Landgraf in den Zeiten des 16. Jahrhundert gelebt? Diese Frage wollen die Organisatoren mit dem Schlossfest am Samstag (4. September) und Sonntag (5. September) beantworten.
"Das ist nicht irgendein Mittelalterspektakel. Davon gibt es überall schon genug. Das hier ist ein Fest speziell zu Philipp dem Grossmütigen", erklärte MTM-Geschäftsführer Michael von Aschwege.
Den Besucher erwarten die historischen Gruppen "Die fünf Schneeballen" aus Flehingen-Sickingen und "Compagnia Borgo del Diavolo" aus Bologna. Während des Schlossfestes residieren sie in einem Landsknechtslager auf dem Hof des Landgrafenschlosses. Dort kochen, essen, schlafen und leben sie wie im 16. Jahrhundert.
Jeweils um 15 Uhr erstürmen die Landsknechte in historischen Rüstungen das Schloss. Außerdem wird der Zuschauer bei ihren Waffenübungen ganz in die Zeit Philipps zurückversetzt. Die Waffenübungen finden jeweils um 10 Uhr statt und zeigen Angriffs - und Verteidigungsformationen, Übungen mit Hellebarde, Schwert und Luntenschlossgewehren.
Bei der Burgerstürmung konkurrieren "Die fünf Schneeballen" aus Deutschland und die italienische Gruppe " Compagnia Borgo del Diavolo" gegeneinander. Schon im 16. Jahrhundert waren die Italiener Feinde des Grossmütigen. Auch die Italiener sind es, die mit einem Lichtspektakel beide Tage ausklingen lassen. Zudem kann man beide Gruppen in Landsknechtswerbeszenen und in den Kasemattenführungen, die mit Schauspieleinlagen bereichert werden genießen.
Der Besucher darf jedoch nicht nur zuschauen. Er kann sich auch am Bogenschießen und Axtwerfen auf der Südbastion probieren.
Das zweitägige Fest findet allerdings nicht ausschließlich auf dem Schloss statt. In der Landgraf-Philipp-Straße 4 wird am Sonntag Mittag (5. September) die Religionskundliche Sammlung geöffnet.
Zudem führen die Schüler des Gymnasiums Philippinum am Samstag (4. September) um 16 Uhr im Rathaus das Theaterstück "Hochzeitsfeier" auf. Das Stück ist an Bertold Brechts "Kleinbürgerhochzeit" angelehnt.
Für musikalische Akzente sorgt an dem Festwochenende der Chor "Canticum Antiquum". Mit weltlicher Musik des 16. Jahrhunderts tritt er am Samstag (4. September) um 16 Uhr im Schlossinnenhof auf. Seine geistliche Musik des 16. Jahrhunderts kann der Besucher am gleichen Tag um 18 Uhr in der Kugelkirche hören. Beide Konzerte präsentieren vorreformatorische sowie reformatorische Werke. Die Kompositionen von Philipps Kapellmeister Johannes Heugel stehen bei den Konzerten im Mittelpunkt. Zudem singt "Canticum Antiquum" das "Hessenlied". Extra für das Schlossfest wurde dieses Werk in moderne Noten transskribiert. Am Festwochenende wird dieses einstmals beliebte Lied zum ersten mal seit 400 Jahren wieder öffentlich dargeboten. Neben dem Chor "Canticum Antiquum" kann man am Samstag ( 4. September) um 17 Uhr auch den "Scheeballen-Chor" hören.
Für den Gaumenschmaus sorgen die Vereinigung der Marburger Köche sowie Schülerinnen und Schüler der Hotel - und Touristikfachschule. Ganz nach Rezepten des 16. Jahrhunderts servieren sie zum Beispiel "Am Spieß gebratene Sauen" und "Philipps Zipfel mit Wildkräutern in Sauerteigwecken". Natürlich darf Philipps Lieblingsgetränk - das Einbecker Bockbier - auch nicht fehlen.
Beim Fest ebenfalls vertreten ist die Philipps-Apotheke. Nach altem Apothekerrezept stellen die Angestellten einen Würzwein und Magenmorsellen her. Die kulinarischen Genüsse kann der Besucher natürlich alle mit Talern bezahlen.
Nicht nur unterhaltsam soll das Fest werden, sondern auch ein wenig lehrreich. Das jedenfalls hofft Kulturdezernent Vaupel: "Vielleicht reflektieren wir ja auch mal, ob das alles notwendig ist, was wir im Alltag so brauchen!"
 
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