[mn]
m a r b u r g n e w s.......................>> die online-Zeitung für Marburg <<
Textarchiv
Aktuell
Termine
Suche
Team

Heute ist Mittwoch, 22. Februar 2017

Text von Montag, 9. Februar 2004


 
Weggewischt: Hakenkreuze an der Phil. Fak.
  Marburg * (FJH)
Ulrich steuert sein Auto auf den Parkplatz an der Wilhelm-Röpke-Straße. Wir steigen aus. Aus dem kofferraum greift er sich einen Eimer mit Farbe und Maler-Utensilien. Dann gehen wir auf dei Phil. Fak. zu.
Im Säulengang bleibt Ulrich stehen. "Diese Hakenkreuze ahbe ich ja noch gar nicht bemerkt", sagt er. "An jeder Säule ist eins!"
Eine Aktion gegen Nazi-Schmierereien in Marburg hat die Humanistische Union (HU) am Montag (9. Februar) an der Philosophischen Fakultät (Phil. Fak.) der Philipps-Universität unternommen. An diesem Gebäude hatte Dr. Ulrich Brosa am Samstag (7. Februar) ein Dutzend Hakenkreuze entdeckt. Gemeinsam mit Prof. Hans Schauer und mir trat er am Montagvormittag zur öffentlichen Beseitigung der neofaschistischen Äußerungen an. Vor den Augen der heimischen Prresse überstrich er die Symbole mit Dispersionsfarbe, die dem Farbton der Wand entsprach.
Irgendjemand hat am Wochenende genau die selbe Idee gehabt und mehrere Hakenkreuze direkt beim Eingang zur Phil. Fak. m mit violeter farbe übermalt. Diese Stellen lässt Brosa unberührt, da die Nazi-Schmiererei hier bereits eine passende Antwort erhalten hat.
Bedauern äußert Brosa über die schleppende Bearbeitung von Strafanzeigen gegen Nazi-Schmierereien. Hans weist darauf hin, dass in Marburg beispielsweise eine internationale Sommer-Universität stattfindet. Besucher bekämen ein erschütterndes Bild von der Stadt, wenn derartige Nazi-Parolen und Symbole einfach stehen blieben.
Ein junger Mann tritt an die Gruppe heran. Es ist der Antifa-Referent Fabian Rehm vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA). Rehm schlägt vor, der AStA könne gegen die Schmierereien Anzeige erstatten.
Rehm hat noch eine weitere Schmiererei ausgemacht. An einer Garage auf dem Parkplatz der Fil. Fak. prangt "Death to ZOG". Die Abkürzung stehe "ZOG" stehe für "Zionist Occupied Government", zionistisch besetzte Regierung". Auch diesen Spruch macht Ulrich innerhalb weniger Minuten unsichtbar.
Nach einer halben Stunde sind alle Nazi-Parolen und Zeichen übermalt. Wir verabschieden uns voneinander. Ulrich bringt mich noch mit seinem Wagen nach Hause. "Das ging doch wirklich schnell", meint er. Die Hakenkreuze auf einer Sizbank im Schülerpark waren da widerstandsfähiger. Sie hat Ulrich bisher noch nicht wegbekommen können.
"Wir dürfen solche faschistischen Schmierereien im öffentlichen Raum nicht dulden", erklärt Ulrich. Deswegen beseitigt der Amöneburger Physiker Hakenkreuze und andere Nazi-Symbole, wo immer er sie findet. Schließlich dürfe so etwas nicht unwidersprochen stehenbleiben. Denn - so sagt er - "nach den Hakenkreuzen kommt erfahrungsgemäß später auch die Gewalt."
Ein Nazi-Aufmarsch in Gladenbach hat heftige Proteste der Öffentlichkeit hervorgerufen. Diese Proteste müssten sich aber genauso auch gegen Hakenkreuze, Wolfsangeln und andere faschistische Symbole oder Sprüche richten, meint Ulrich. Bürgerinnen und Bürger sollten keine faschistischen Parolen und Zeichen in der Öffentlichkeit dulden. Wenn möglich, solle man sie beseitigen. Außerdem hält Ulrich hier auch Strafanzeigen für angemessen. Damit zeige man, dass es einem ernst ist mit der Forderung: "Nie wieder Faschismus!"
 
Ihr Kommentar



Politik-Archiv


pizza.de Pizzaservice in Marburg

 


© 2003 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg