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Text von Sonntag, 24. Oktober 2004

> s o z i a l e s<
 
 

 Visse für vieles: Geballte Kraft für Behinderte 
 Marburg * (hjf)
Wer sich in Marburg mit Behindertenpolitik beschäftigt, kommt an einem Namen nicht vorbei. Und das schon seit bald 20 Jahren! Gemeint ist Franz-Josef Visse. Die Integration behinderter Jugendlicher ist beruflich und privat eines seiner großen Anliegen.
Er kennt das schließlich auch aus eigener Erfahrung. Visse wurde 1953 bereits blind geboren. Studiert hat er dann in Marburg Politik und Geschichte auf Lehramt.
Damals konnte er wohl noch nicht ahnen, dass die Philipps-Universität einmal sein Brötchengeber werden sollte. Als sich 1984 an der Marburger Uni die "Interessengemeinschaft sehbehinderter und blinder Studenten" (ISBS) gründete, war Visse ganz vorne mit dabei.
"Und da kam so die Idee auf, dass man nicht alles ehrenamtlich machen kann. Und da sind wir an die Uni herangetreten, ob sie nicht eine Stelle zur Studienunterstützung blinder und sehbehinderter Studierender schaffen kann." So entstand das erste große Projekt des frischgebackenen Beraters für Behinderte an der Philips-Universität.
Der "Modellversuch zur Verbesserung der Versorgung blinder und sehbehinderter Studierender mit Studienliteratur" sorgte dafür, dass wichtige Standardwerke - etwa in Psychologie oder Pädagogik - von Sprechern auf Kassetten gelesen wurden. Die blinden Studenten konnten sich diese Hörbücher dann kostenfrei ausleihen. Das Projekt musste jedoch wegen fehlender Mittel eingestellt werden.
Ehrenamtlich ist Visse aber mindestens genauso aktiv wie beruflich. 1997 wurde er in den - damals neu geschaffenen - Behindertenbeirat der Stadt Marburg gewählt. Nach dem Motto "Darf´s noch ein bisserl mehr sein?" wurde er zum Vorsitzenden des Behindertenbeirates gewählt.
Das Gremium trifft sich alle drei Monate. Es sorgt Mit dafür, dass Nachteile und Barrieren für Behinderte im öffentlichen Raum der Stadt entdeckt und nach und nach abgebaut werden.
Visses Ehefrau und sein elfjähriger Sohn tragen die Arbeitslast mit ihm gemeinsam. Denn natürlich verbringt er viele Stunden seiner Freizeit nicht mit der Familie. Stattdessen sitzt er dann in Vorstands- und Arbeitsausschuss-Sitzungen.
Vielleicht ist es da gar nicht so schlecht, dass sich der ehrenamtliche Vorstand der Deutschen Blindenstudienanstalt im Rahmen einer Strukturreform aufgelöst hat. Dort war Visse nämlich bis vor einem halben Jahr auch aktives Mitglied.
 
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