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Text von Dienstag, 14. Februar 2006

> k u l t u r<
 
 

 Preis mit Prestige: Marburgs Liebe zur Literatur 
 Marburg * (fjh)
Der Literaturpreis der Stadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf ist abgeschafft worden. Das haben die Verwaltungsspitzen von Stadt und Kreis am Montag (13. Februar) bekanntgegeben.
Nach Abwägung des Pro und Contra, der Gegenüberstellung von Kosten, Arbeitsaufwand und Akzeptanz des Preises, haben sich Landrat Robert Fischbach und Oberbürgermeister Egon Vaupel einhellig dafür ausgesprochen, keinen Literaturpreis mehr auszuloben. Sein "Nutzen" stehe in keinem Verhältnis mit dem Aufwand, lautete ihre Begründung.
Die bisherigen Preisträger werden das sicherlich anders sehen. Prominente Literaten wie der Büchner-Preisträger Durs Grünbein oder der Östereicher Robert Menasse konnten dank des Preisgeldes weiterarbeiten und so Karriere machen.
Der Marburger Literaturpreis sei doch nur der 301. von einer Vielzahl derartiger Preise, war von Stadt und Kreis zu hören. Gerade diese Argumentation zeigt, dass ihre Verfechter von Literaturpreisen keine Ahnung haben: Die Vielzahl solcher Preise und die damit verbundenen Preisgelder sichern etlichen Autoren das wirtschaftliche Überleben.
Hier hatte der vergleichsweise gut dotierte Marburger Preis eine herausragende Stellung. Mit ihm war ein beachtliches Prestige verbunden. Das konnte man leicht feststellen, wenn man auf der Internet-Seite www.uschtrien.de nach Literaturpreisen schaute: Der Literaturpreis der Stadt marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf war da an vorderer Stelle zu finden.
Sicherlich hätte man auch an diesem Preis sparen können, wenn das unbedingt nötig gewesen wäre. Statt zweier Preisträger hätte man auch nur einen auszeichnen können. Und höchstwahrscheinlich wäre der Geehrte auch mit einem Preisgeld von 2.500 Euro hochzufrieden gewesen.
Wichtiger wäre für ihn das Renommee dieses Preises gewesen. Durch ihn sind zahlreiche Literaten bekannt geworden. Das hat ihnen auch geholfen, ihre Werke an Verlage heranzubringen und zu veröffentlichen.
All das haben die Verwaltungsspitzen bei ihrer Entscheidung nicht bedacht. Erstaunlich ist dabei, dass sie sie nicht in ihren jeweiligen Parlamenten diskutiert haben. Noch erstaunlicher ist, dass sie sie so kurz vor der Kummunalwahl gefasst und bekanntgegeben haben.
Böse Zeitgenossen ziehen da - wie es ein Marburger Schriftsteller getan hat - eine irritierende Verbindungslinie: "Das Bordell wird genehmigt, die Literatur aber nicht! Ist das das Verständnis des Marburger Magistrats von Kultur?"
 
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