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Text von Freitag, 1. Dezember 2006

> p o l i t i k<
 
 

 Feste feiern: Umgebaute Ketzerbach eröffnet 
 Marburg * (fjh)
Der 1. September war in Marburg diesmal nicht nur der Antikriegstag. In verschiedenen Marburger Stadtteilen fanden am Samstag (1. September) auch unterschiedliche Feste statt.
In der Oberstadt drängten sich Tausende an zahlreichen Verkaufsständen und diskussionsbereiten Landrats-Wahlkämpfern vorbei. Bei eher schönem Wetter lockte das Weidenhäuser Höfe-Fest in die malerische Gasse gegenüber der Alten Universität. Nach 16 Monaten Bauzeit weihten Oberbürgermeister Egon Vaupel und Bürgermeister Dr. Franz Kahle die umgestaltete Ketzerbach gegenüber der gothischen Elisabethkirche ein.
Gegen 15 Uhr startete ein Musik-Umzug vom Hauptbahnhof aus in die Ketzerbach. Etwa eine halbe Stunde später traf die Garde mit ihrer Blaskapelle dort ein. Ab 16 Uhr fand dann die offizielle Einweihung durch den Oberbürgermeister statt.
Die Ketzerbächer Geschäftsleute waren die monatelangen Bauarbeiten offenbar so leid, dass sich fast jedes Geschäft mit einem eigenen Stand freudig auf den breiten Bürgersteigen präsentierte. Die türkische Schneiderin servierte lukullische Köstlichkeiten aus ihrer Heimat. Ihre bosnische Kollegin schenkte hochprozentige Getränke vom Balkan aus.
Die Bars und Restaurants servierten spezielle Menüs zumm Eröffnungs-Preis. Andere sorgten für ein reichhaltiges Getränke-Angebot. Und so konnten auch Vaupel und Kahle mit den Festbesuchern auf der abgesperrten Süd-Fahrbahn ordentlich anstoßen.
Die Freiwillige Feuerwehr erklärte den Festgästen ihre Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug. Die Deutsche Blindenstudienanstalt (BliStA) informierte an einem Stand über die tastbare Brailleschrift. Das Welt-Kinderhilfswerk UNICEF war ebenfalls mit einem Informationsstand vertreten.
Der TeGut-Supermarkt bot draußen auf der Ketzerbach kleine Probier-Häppchen an. Drinnen gab es auch ein Preisrätsel und eine Lotterie.
Im Haus Nummer 40 hatte jemand von innen Fotos hinter die Fenster geklebt. Sie zeigten die Ketzerbach in ihrem früheren Zustand mit den herrlichen alten Straßenbäumen. Weitere Fotos dokumentierten die Baumfäll-Arbeiten und den anschließenden Umbau der Straße sowie ihre neue Pflasterung.
Die Gehsteige sind dadurch deutlich breiter geworden. Zwischen den beiden Fahrbahnen verläuft nun das sogenannte "Wasserband". Dieser hässliche Schweinetrog voller Wasser erschwert ein Überqueren der Straße, soweit man nicht die dafür vorgesehenen Überwege benutzt.
Mickrige Bäumchen am Straßenrand können nur als Alibi dafür herhalten, dass die einst so stolzen Straßenbäume rücksichtslos abgeholzt worden sind. Zwar ist der neue Boulevard dadurch nun heller geworden, doch fehlt ihm seine einstige urige Einzigartigkeit.
Auch Blinden und Sehbehinderten hat das städtische Bauamt das Leben durch den Umbau wesentlich erschwert. Durch eine Vielzahl von Tischen und Stühlen auf dem Gehsteig finden sie sich auf der Ketzerbach künftig nicht mehr so leicht zurecht. Obwohl in Marburg zumindest die Bau-Experten wissen sollten, dass sich Blinde an Leitlinien wie Hauswänden oder Bordsteinkanten orientieren, fehlen diese Leitlinien dort neuerdings weitgehend.
Kriminell ist die Gestaltung der Einmündung von "Zwischenhausen" in die Ketzerbach. Auch dort fehlt jeglicher Bordstein, der Blinden die querenden Autos verriete. Es ist vorherzusehen, dass es dort zu gefährlichen Situationen kommen kann.
Letztlich hat die teure Umbau-Aktion wohl nur der beteiligten Bauwirtschaft wirklich weitergeholfen. Das Freudenfest am Samstagnachmittag fand zwar in einer heiter gelösten Atmosphäre statt, doch war sie wohl vor allem der Erleichterung geschuldet, dass die lästigen und lärmenden Bauarbeiten bald zu Ende sein werden. Denn ganz fertig war die Ketzerbach zu ihrer offiziellen Einweihung noch nicht.
 
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