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Text von Dienstag, 5. Dezember 2006

> p o l i t i k<
 
 

 Schwierige Äußerung: Linke mobbt Metz weg 
 Marburg * (fjh)
Weggemobbt hat die Bundes-Linke ihren hessischen Spitzenkandidaten Pit Metz. "Angesichts des Drucks von allen Seiten" verzichtete der 54-jährige Sozialpädagoge am mittwoch (5. September) auf seine Kandidatur auf Platz 1 der Liste zur Landtagswahl.
Auf einem Landesparteitag hatte sich Metz am Sonntag (26. August) in Frankfurt überraschend gegen Dieter Hooge durchgesetzt. Der ehemalige Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) war Wunschkandidat des Landesvorstands. Doch die Mehrheit der Delegierten stimmte nach einer flammenden Rede des Marburgers schließlich für Metz.
Zum Verhängnis wurde ihm in den Augen der Berliner Parteiführung nicht nur sein Bekenntnis zu einer früheren Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Vor allem ein Vergleich des DDR-Schießbefehls mit Befehlen zur Kriegsführung im Irak und Afghanistan missfiel manchem Linken.
In einem "Offenen Brief"warf ihm am Montag (3. September)Berthold Pfeiffer von den Linken im Odenwald-Kreis vor, die Partei um ihren möglichen Einzug ins Landesparlament gebracht zu haben: "Der Schaden, den Sie mit Ihrem kommunistischen Altkader-Geschwätz angerichtet haben, ist gar nicht mehr zu beheben."
Schließlich warf Metz resigniert das Handtuch. Seine Aufgabe sorgte auf der Klausurtagung der linken Bundestagsfraktion im brandenburgischen Templin für Aufregung. Metz war von Anfang an nicht ihr Mann gewesen, obwohl die Parteizentrale in Berlin nach seiner Wahl tunlichst den Eindruck vermied, der Stadtparlaments-Fraktionsvorsitzende der Marburger Linken passe ihr nicht in den Kram.
Am Dienstag (4. September) waren Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch und der Linken-Bundestagsabgeordnete Ulrich Maurer mit Metz in Berlin zusammengetroffen. Offiziell hatten sie ihn eingeladen, um ihn kennenzulernen. Hinter verschlossenen Türen ging es aber hart zur Sache.
Metz wurde klargemacht, dass er große Verantwortung für die Gesamtpartei trage. Er sei aber nicht aufgefordert worden, seine Kandidatur zurückzunehmen.
Bartsch und Maurer versicherten ihm, sie unterstützten ihn, egal wie er sich entscheide. Das Kalkül, dass Metz von selbst aufgibt, dürfte dennoch eine Rolle gespielt haben. Schließlich ist es ja auch aufgegangen.
Metz ist bereits der zweite Landeslisten-Führer der Linkspartei, den die Berliner Parteizentrale loswerden wollte. Bei dem ehemaligen Marburger Peter Erlansson ist dieses Kalkül im Vorfeld der Wahlen zur Bremer Bürgerschaft aber nicht aufgegangen.
Immerhin belegen diese beiden Beispiele, dass die Linke trotz anderslautender Parolen eine genauso machtgeile Partei ist wie alle anderen. Der Spitze in Berlin scheinen die Entscheidungen der Basis vollkommen gleich zu sein.
 
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