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Text von Montag, 31. Dezember 2007

> s o z i a l e s<
 
 

 Kahlschlag-Jahr 2007: Für eine soziale Politik! 
 Marburg * (fjh)
Eine Trendwende kann man bei gutem Willen im sozialen bereich ausmachen: Im ablaufenden Jahr ist der Wunsch nach Sozialer Gerechtigkeit stärker und lauter geworden. Grund dafür dürfte allerdings vor allem die vorangegangene Kahlschlag-Politik in nahezu allen Bereichen der sozialen Daseinsfürsorge sein.
Das Jahr 2007 begann hier bereits mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um zusätzliche drei Prozentpunkte. Eine spürbare Inflation von weit über 2 Prozent war die - wenn auch zeitlich verzögerte - Folge. Beide Entwicklungen trafen vor allem jene Menschen, die ohnehin zu den Verlierern der vielgepriesenen "Globalisierung" gehören.
Ein Aktionstag "Für eine andere, eine soziale Politik" am Samstag (15. Dezember) auf dem Hanno-Drechsler-Platz an der Augustinertreppe war ein Ausdruck der - auch in Marburg wieder zunehmenden - Proteste gegen Sozialabbau und die neoliberale Verelendungspolitik. Ihre Auswirkungen sind auch in Marburg deutlich zu spüren.
Eine - von vielen so sicherlich nicht erwartete - Folge der faktischen Abschaffung des Ladenschluss-Gesetzes an Werktagen war die Problematik zunehmenden Alkohol-Konsums im Umfeld des neu errichteten "Markt-Dreiecks" am Erlenring. Dort wurde ein Supermarkt eröffnet, der bis Mitternacht geöffnet bleibt. Konsequenz des schwunghaften abendlichen Handels mit alkoholischen Getränken war ein Verbot des Magistrats der Stadt Marburg, im Bereich des Elisabeth-Blochmann-Platzes, des Erlenrings und rund um die Mensa öffentlich Alkohol zu konsumieren. Diese Verbotsverfügung hat bundesweit Aufsehen erregt.
Weniger öffentlichkeitsträchtig - wenngleich vermutlich ungleich problematischer - ist die Situation pflegebedürftiger Menschen in Heimen. Das Miss-Management bei der städtischen Altenhilfe-Stiftung Sankt Jakob wurde im ablaufenden Jahr dennoch zum Politikum. Es hat sogar zur Einberufung eines Akteneinsichts-Ausschusses geführt.
Bereits vor der Veröffentlichung seines Abschlussberichts musste die Geschäftsführerin der Altenhilfe ihren Posten räumen. Nun hoffen die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung, dass die städtische Stiftung künftig wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangen wird.
Als Ausdruck einer generationsübergreifenden Sicht auf das Alt-Werden hat Marburg nun ein "Mehr-Generationen-Haus" bekommen. Es residiert im Philipp-Melanchton-Haus am Lutherischen Kirchplatz. Betrieben wird es von der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFBS).
Auch sonst hat sich die Stadt Marburg im ablaufenden Jahr immer wieder bemüht, der Vorreiter-Rolle Marburgs als "das soziale Herz Deutschlands" gerecht zu werden. Der 800. Geburtstag der Heiligen Elisabeth war hier schließlich auch eine große Verpflichtung.
 
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