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Baustelle kein Hindernis

Universitätsmuseum für Kunst und Kultur im Umbruch


13.06.2012 - jnl

Foto:Christoph Otterbeck
Dr. Christoph Otterbeck auf den Paketen der Museumssammlung (Foto: Jürgen Neitzel)
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Seine Ideen und Konzepte stellte der neue Direktor des Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte am Dienstag (12. Juni) der
Öffentlichkeit vor. Die Philipps-Universität hatte Dr. Christoph Otterbeck am 16. April in sein neues Amt eingeführt.
Seine wichtigste aktuelle Ansage war, dass sich das Museum an der "Nacht der Kunst" am Freitag (22. Juni) mit einem eigenen Beitrag beteiligen wird. In den letzten Wochen habe er der Ermöglichung dieses Anliegens Priorität eingeräumt, sagte der 44-jährige Museumsdirektor.
Zu Recht ist er stolz darauf, dass er trotz der sanierungsbedingten Schließung des Museumsgebäudes an der Biegenstraße die Teilnahme an diesem jährlichen Höhepunkt des Marburger Kunstlebens nicht absagen musste. Die relativ kurzfristigen Zusagen der Lehrenden der freien Künste am Institut für Bildende Kunst haben das möglich gemacht.
Die - nur an diesem Abend zwischen 18 und 24 Uhr zugängliche - Ausstellung "Depotwechsel" wird Werke von Doris Conrads, Susanne Neuner, Helmi Ohlhagen, Tillmann Damrau, Eckhard Kremers und Masanobu Mitsuyasu umfassen. Zudem gibt es eine PowerPoint-Show mit Fotografien von Thomas Scheidt und Christian Stein, die vorübergehende Zustände im Universitätsmuseum dokumentieren und interpretieren.
Zum Stand der Sanierungsarbeiten nahm Universitäts-Vizepräsident Prof. Dr. Joachim Schachtner Stellung. Die Finanzierung von 4,9 Millionen Euro für die Gebäude-Instandsetzung außen stehe auf soliden Füßen, sagte er.
Noch nicht restlos geklärt hingegen sei die - auf rund zwei Millionen Euro geschätzte - Kostenabdeckung des Innenausbaus. Die Erneuerung der Elektrik, des Sanitärbereichs sowie der - für die Barrierefreiheit wünschenswerte, aber äußerst kostenintensive - Einbau von Aufzügen fällt darunter.
Nur die bereits von Otterbeck getroffene Entscheidung, die bauliche Sanierung der Depoträume als erstes durchzuführen, habe die extrem kostspielige externe Auslagerung der Kunstwerke zu vermeiden ermöglicht. Baubeginn dort ist in der letzten Juni-Woche, also unmittelbar nach der "Depotwechsel"-Ausstellung.
Die Wiedereröffnung der Kunstsammlung steht nach dem geplanten Abschluss der Bauarbeiten im Herbst 2015 an. Da bleibt Raum für umfangreiche konzeptionelle Neuansätze des neuen Leiters.
Otterbeck hofft, endlich auch eine Museumspädagogik aufbauen zu können, für die er seitens des klammen Universitätsetats allerdings keine festen Stellen einrichten kann. Deshalb bleibt ihm der Weg, über Kooperationen mit bestehenden städtischen Einrichtungen sowie Lehrforschungsseminare der Universität diesen Bereich anzugehen.
Die Einrichtung eines - in größeren Museen standardmäßig vorhandenen - eigenen Cafés sieht Otterbeck skeptisch. Die räumlichen Bedingungen seien dafür nicht sehr gut geeignet.
Audioguides könnte es durchaus geben, wenn der schmale Etat es denn zulässt. Die Personalausstattung des Universitätsmuseums wird sich künftig wohl nicht erhöhen. Damit lasse sich lediglich der Erhalt des Bestehenden abdecken, zeigte sich Otterbeck realistisch.
Der Museumsleiter möchte nach der Wiedereröffnung auf 1.700 Quadratmetern "Bewegung im gesamten Bestand" der eigenen Sammlung und Rundgänge ermöglichen. Sonderaussstellungen von außen soll es erst ab 2016 geben, nachdem zuvor mit eigenen Pfunden gewuchert wurde.
Der bislang noch nie gezeigten Sammlung Hilde Eitel wird dabei die Rolle eines Glanzstücks zukommen. Der Gesamtfundus der Museumssammlung bestehe aus rund 1.000 Gemälden und Skulpturen sowie 700 Zeichnungen.
Schachtner verwies auf die zunehmende Bedeutung des Sponsoring. Der Verein der Freunde und Förderer des Universitätsmuseums umfasse derzeit rund 150 Mitglieder. Das sei gewiss noch steigerungsfähig.
Für optimistische Ausblicke in der näheren Zukunft steht die Abteilung Kulturgeschichte des Museums. Sie ist im Wilhelmsbau des Landgrafenschlosses untergebracht.
Dort stehen ab Dezember 2012 drei neue Ausstellungseröffnungen an. Sie werden in enger Kooperation mit den entsprechenden Instituten der Universität entstehen, was die große Stärke und Besonderheit des Marburger Modells ausmacht.
Am Freitag (7. Dezember) eröffnet die - gemeinsam mit einem Lehrforschungsprojekt am Fachbereich Europäische Ethnologie entwickelte - Ausstellung "Echt hessisch? Land Leben Märchen". Diese - im Südsaal des Schlosses und Teilen des Rittersaals aufgebaute - kulturgeschichtliche Schau soll bis Ende 2014 zu sehen sein.
Im Februar 2013 steht die Wiedereröffnung der Abteilung Vor- und Frühgeschichte auf der Ebene 1 des Wilhelmsbaus an. Erarbeitet wurde sie von Dr. Tobias Mühlenbruch und Studierenden des Seminars "Neugestaltung der Abteilung Bronzezeit in der Ausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität".
Etwa Anfang Mai kommt die Eröffnung der Ausstellung "Mumien. Glaube Kunst Kultur", an der sechs Institutssammlungen der Philipps-Universität sowie das Seminar für Ägyptologie der Universität Göttingen beteiligt sein werden. Diese anspruchsvolle Leistungsschau wird bis Oktober 2013 im Waldecker Saal und im Kleinen Rittersaal des Schlosses zu sehen sein.
Zu beneiden ist der neue Museumsleiter angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Baustellen, für die er - trotz sehr schmalem Etat - Verantwortung übernehmen muss, gewiss nicht.
Sein unprätenziöses und frisches Auftreten könnten dem sympathischen 44-jährigen Kunsthistoriker erleichtern, in der Universität und ihrem Umfeld Kooperationen zu entwickeln, die dem Universitätsmuseum neue Lebendigkeit und Mittel schaffen werden. Man wünscht ihm auf jeden Fall viel Geschick und Glück auf diesem steinigen Weg!


Jürgen Neitzel - 13.06.2012



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