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Wissenschaft


Künftige Erinnerung: Neubau für Archivschule


31.10.2001 * (
FJH)
"Man sieht sich und man wird gesehen." So beschrieb Archivdirektorin Angelika Menne-Haritz das neue Gebäude der Marburger Archivschule. Am Mittwoch (31. Oktober) wurde der Neubau, der zwei ältere Häuser am Friedrichsplatz zu einem Gesamtkomplex zusammenschließt, feierlich eingeweiht. Auf 1.3000 Quadratmetern Fläche nutzt die einzige deutsche Fachhochschule für Archivwesen Verwaltungs-, Seminar- und Computerräume sowie eine dreigeschossige Bibliothek.

[Archivschule]        Zu den Fotos!        [Innenhof]

Auffälligstes Merkmal des Neubaus ist Transparenz. Alle Räume sind zum Innenhof hin vollständig verglast. Zahlreiche Einblicksmöglichkeiten verschafften - so Privatdozentin Dr. Menne-Haritz - der Archivschule eine "familiäre Atmosphäre".
"Transparent" sollten nach Ansicht der Hochschulleiterin auch die Archive sein: "Sie müssen durchsichtig sein, damit man das sieht, was dahinter liegt: Das Archivgut." Aufgabe der Archivare, die Archivalien so aufzubereiten, dass sie von den Nutzerinnen und Nutzern der Archive leicht gefunden werden können. "Man muss das Leben immer vorwärts bewältigen, aber man kann es nur rückwärts verstehen", zitierte Menne-Haritz den Existenzphilosophen Sören Kirkegaard. Archive seien das "soziale Gedächtnis der Nation".
Auf die zentrale Rolle der Marburger Archivschule wies die Hessische wissenschaftsministerin Ruth Wagner hin: "Jeder, der in Deutschland Archivarin oder Archivar werden möchte, muss einige Zeit hier in Marburg verbringen." Damit erntete sie den Widerspruch des Oberbürgermeisters: "Darf", wandtte Dietrich Möller ein. Er hob die Bedeutung der Archivschule für die Stadt wie auch die Bedeutung Marburgs für das deutsche Archivwesen hervor.
1894 begann das damals neugegründete Seminar für geschichtliche Hilfswissenschaften der Philipps-Universität - erstmals in Preußen - mit der Ausbildung von Archivaren. 1949 wurde die heutige Archivschule gegründet, die jahrelang unter dem Dach des Hessischen Staatsarchivs am Friedrichsplatz untergebracht war.
"Warum überhaupt ein neues Gebäude?"Diese provozierende Frage stellte Prof. Dr. F. C. J. Eric Ketelaar von den Universitäten Amsterdam und Leiden in seinem festvortrag "Die Archivistik heute - das Gebäude der Fachwissenschaft und der Ort der Ausbildung".
Der Begriff "Dokument" gewinne im Zeitalter des Internet neue Bedeutung. Man könne ein "Dokument" nicht mehr begreifen und behandeln, nicht mehr anfassen. Im Zeitalter der Digitalisierung könne doch selbst Marburg als rein virtuelle Stadt existieren. Auch die Einweihungsfeier könne doch virtuell stattfinden.
Der einzige Lehrstuhlinhaber für Archivwissenschaft in Europa beantwortete die selbst gestellte Frage jedoch klar: Errst durch soziale Interaktion werde Archivmaterial bewertbar und damit verständlich. Auch die modernen Archive im Internet bedürften des sozialen Kontexts, der schon beim Einspeisen der Dokumente berücksichtigt werden müsse. In diesem Monat sei eine neue Eu-Norm hierzu in Kraft getreten, die massgeblich auf Ergebnisen eines gemeinsamen
Forschungsprojekts der Marburger Archivschule und amerikanischer Partner aufbaue. Auch digitale Archive müssten schließlich für die Nachwelt aufbereitet werden.
Das Zusammenwirken von Historischem mit Modernem veranschaulicht auf gekonnte Weise auch der Neubau der Archivschule: Das Gebäude Bismarckstr. 32 entstand um die Jahrhundertwende, das angrenzende Grundstück Liebigstraße 39 wurde 50 Jahre später bebaut. Beide Bauwerke wurden modernisiert und mit einem Anbau verbunden, der die großen Seminarräume aufgenommen hat. Ein Lift im Innenhof garantiert über eine Verbindungsbrücke barrierefreien Zugang zu allen Geschossen in beiden Häusern.
Besonders lobend hob Baudirektor Peter Kettner die überdachten Fahrrad-Abstellmöglichkeiten im Innenhof hervor. Dafür habe die Direktorin eigens auf zwei Auto-Abstellplätze verzichtet. "Dieses Beispiel sollte in Marburg Schule machen", wandte sich der Leiter des Staatshbauamtes an den Oberbürgermeister. Zum Dank überreichte er Angelika Menne-Haritz einen Fahrradschlüssel mit Schloss und wünschte ihr, dass sie immer den passenden Schlüssel finden möge.


Nobel: Ehrung für Behring


27.10.2001 * (
FJH)
"Bei Robert Koch ist jetzt ein ganz merkwürdiger Kerl, ein Stabsarzt. Er will bei Infektionskrankheiten den Organismus innerlich desinfizieren und macht alle möglichen und unmöglichen Versuche."
Mit diesen Worten charakterisierte ein Zeitgenosse vor mehr als 100 Jahren den jungen Emil Behring. 1904 gründete der Arzt und Immunologe in Marburg eine pharmazeutische Fabrik, um möglichst viele Patienten mit dem von ihm entdeckten Diphterie-Impfstoff zu versorgen. Am 10. Dezember 1901 erhielt er den ersten Nobelpreis für Medizin. Am Dienstag (30. Oktober) würdigen die Philipps-Universität und die auf ihn zurückgehenden Marburger Pharma-Firmen das Werk des genialen Forschers bei einer Feierstunde in der Aula der Alten Universität. Zwei Ausstellungen - eine im Schloss und eine weitere im Rathaus- sollen über das Wirken des Forschers informieren.
Gut 90 Jahre lang trug Marburgs größtes Industrieunternehmen Behrings Namen. 1995 wurde die Behringwerke AG in sieben unterschiedliche Firmen aufgeteilt. Die neuen Namen Aventis, Chiron, Dade und InfraServ haben sich der Marburger Bevölkerung aber lange noch nicht so tief eingeprägt wie der Name des Nobelpreisträgers.
Am 4.Dezember 1890 erschien in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" der Artikel von Emil Behring und seinem japanischen Forscherkollegen Shibasaburo Kitasato über "Das Zustandekommen der Diphterie- und Tetanusimmunität". Mit dieser Veröffentlichung begann für Behring eine Blitzkarriere. Bereits ein Jahr nach der ersten Erprobung des Diphterie-Heilserums am Menschen wurde Behring 1894 zum Professor berufen. Gegen erbitterten Widerstand der ortsansässigen Hochschullehrer übernahm er 1895 auf Anordnung der preußischen Regierung die Leitung des Marburger Hygiene-Instituts.
Als erster Preisträger überhaupt erhielt er 1901 den Nobelpreis für Medizin; im selben Jahr wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Für seine Impfaktionen gegen Tetanus während des 1. Weltkrieges erhielt der 1854 im westpreußischen Hansdorf geborene Stabsarzt das Eiserne Kreuz.
Nach seinem Tod im Jahr 1917 folgte für die Behringwerke eine wirtschaftliche Rezession. 1929 wurde auch das Marburger Unternehmen von der IG Farben übernommen, die die gesamte deutsche Chemie zu einem einzigen Großkonzern zusammenschloß.
Auf vielfältige Weise profitierte der großdeutsche Chemiekonzern von der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Nach Kriegsende wurde die IG Farben deswegen durch aliierten Beschluß aufgelöst. Die Behringwerke gehörten von 1952 bis 1995 als hundertprozentiges Tochterunternehmen zur Frankfurter Hoechst-AG. Innerhalb des Konzernverbundes beschäftigten sich die Marburger mit der Herstellung pharmazeutischer Produkte. Ihr Spezialgebiet waren neben Diagnostika und Impfstoffen vor allem Blutprodukte.
Seit 1982 befassen sich die Marburger Pharma-Forscher mit der Gentechnik. Damit waren die Behringwerke in dieser Technologie Vorreiter. Ihre Nachfolgeunternehmen betreiben heute mehr als 40 unterschiedliche Genlabors. Die Marburger Pharma-Industrie arbeitet dabei eng mit Wissenschaftlern der Philipps-Universität zusammen.
In gewisser Hinsicht war Emil von Behring der erste "Garagen-Unternehmer", der die Ergebnisse seiner Forschung an der Universität nebenbei mit einer eigenen kleinen Privatfirma vermarktete. Mancher Wissenschaftler möchte heute so die Ergebnisse seiner Forschung selbst gewinnbringend versilbern.
Behring leiteten bei der Unternehmensgründung jedoch andere Motive: Er wollte die von ihm entdeckten Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen so schnell wie möglich zu einer massenhaften Produktion nutzen.
Seine Entdeckung der spezifischen Antikörper für Diphterie und Tetanus rettete Tausenden von Menschen das Leben, starben doch um die Jahrhundertwende noch bis zu 70.000 Kinder jährlich an Diphterie.


Findig: Die Nadel im Heuhaufen


24.10.2001 * (
FJH)
In der Universitätsbibliothek wälzt Tanja Stein Kataloge und Bibliographien. Tanja überprüft darin nicht nur die Bestände deutscher Hochschulbüchereien, sondern ruft über das Internet auch die Kataloge amerikanischer und britischer Bibliotheken ab.
Die Kataloge geben den Literaturbestand einer einzigen Bibliothek oder eines Bibliothekenverbundes an. Der formale Katalog gibt meist nur Auskunft über Titel und Autoren. In Sachkatalogen sind die Publikationen nach Sachgebieten geordnet.
Anhand der Kataloge kann die Studentin feststellen, ob das gesuchte Buch oder die gewünschte Zeitschrift vor Ort vorhanden ist oder von einer anderen Bibliothek bestellt werden muß. Innerhalb Deutschlands kostet eine Fernleihe 3 DM. Teuer kann es bei einer Auslands-Fernleihe werden, da die Bibliotheken in anderen Ländern hierfür oft sehr hohe Kosten berechnen.
In Bibliographien werden die Inhalte der Veröffentlichungen zusätzlich auch verschlagwortet. Hier findet man auch Artikel aus Zeitschriften oder Sammelbänden.
Wichtigstes Standardwerk ist die "Deutsche Nationalbibliographie - Bibliographie der im Ausland erschienenen deutschsprachigen Veröffentlichungen". Die Deutsche Bibliothek gibt darin Auskunft über Bücher, Zeitschriften, elektronische Publikationen, AV-Medien sowie nichtmusikalische Tonträger. Das Nachschlagewerk ist in verschiedene Reihen untergliedert. Jede Woche stellt die Deutsche Bibliothek die aktuellen Neuerscheinungen vor. Sie sind nach Sachgebieten geordnet und mit einem Schlagwortregister systematisch erfaßt. Monatlich, halbjährlich und alle fünf Jahre wird diese Bibliographie in umfangreicheren Verzeichnissen zusammengefaßt. Sie ist auch auf CD erhältlich.
Ähnliche Bibliographien werden in fast allen Ländern zentral erstellt. Zum Beispiel die "National Union" in Großbritannien. Hinzu kommen Bibliographien der einzelnen Wissenschaftsgebiete. Sie sind häufig wesentlich genauer als die generellen Zusammenstellungen. So gibt beispielsweise die Bibliothek für Weltwirtschaft in Kiel eine Bibliographie heraus, die auch detaillierteren Aufschluß über Aufsätze in den einschlägigen Fachzeitschriften gibt.
Der Bestand der Deutschen Bibliothek in Frankfurt sowie der seit 1990 mit ihr vereinigten Deutschen Bücherei im Leipzig umfaßt etwa 15 Millionen Bücher, Zeitschriften, Tonträger und elektronische Publikationen. Angesichts dieser Fülle von Veröffentlichungen gleicht die Literatur-Recherche oft der sprichwörtlichen Suche einer Stecknadel im Heuhaufen.
Deshalb empfiehlt der Bibliothekar, Möglichst zuerst die Begriffe zu klären, um das Thema einzuengen. Wilhelm Rößner arbeitet an der Marburger Universitätsbibliothek. Er und seine Kollegen beraten Studierende bei der Literatur-Recherche: "Wenn man gar nichts zu einem Stichwort weiß, sollte man zuerst einmal in einem Lexikon nachschlagen. Ein gutes Lexikon gibt meistens mehrere Publikationen zu dem gesuchten Begriff an."
Rößner warnt davor, die Recherche ausschließlich in elektronischen Verzeichnissen durchzuführen: "Da findet man immer nur das, was von den Stichworten abgedeckt wird, die man eingegeben hat. In einer gedruckten Bibliographie kann ich auch blättern und mir das Umfeld anschauen."
Einen Tip hält der Bibliothekar für besonders zeitsparend: "Am besten ist immer, wenn zum jeweiligen Thema vor kurzem eine Dissertation erschienen ist. Darin findet man dann ein umfangreiches Literaturverzeichnis."



Leichenschau: Die Anatomische Sammlung


23.10.2001 * (
FJH)
Ein "Leckerbissen" für Freunde des leichten Schauderns ist die Anatomische Sammlung der Philipps-Universität an der Robert-Koch-straße. sie zeigt Präparate sogenannter "Mißgeburten", die einst der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses dienten.
Ältestes Beispiel ist ein Ölgemälde und das Skelett vom "Langen Anton". Im 30-jährigen Krieg diente dieser riesenwüchsige Mann in der Leibgarde des braunschweigischen Herzogs Christian. Das Skelett des um 1650 verstorbenen Soldaten erreicht die stolze Größe von 2 Metern 44. Im Zentrum des Schädels, wo die Hirnanhangdrüse Wachstumshormone ausschüttet, zeugt ein großes Loch von Antons Hirntumor.
Ebenso einzigartig ist auch das "Lenchen", dessen halbierter Leichnam in zwei Glaszylindern aufbewahrt wird. Deutlich zu erkennen ist ihr Buckel und der Embryo, dessen Kopf schon gegen die Beckenknochen drückt. Die Geschichte der Haushaltshilfe, die wegen ihrer Schwangerschaft den Freitod in der Lahn gesucht hat, hat der Roman "Der krasse Fuchs" ausfabuliert. Danach sei ein Medizinstudent Vater des unehelichen Kindes gewesen. Er habe - so der Verbindungsroman - auch selbst die Leiche präpariert.
Professor Gerd Aumüller möchte das Anatomische Museum aber nicht als Horror-Show präsentieren:
"Man sollte diese Sammlung nicht betreten als eine Art Grusel- oder Raritätenkabinett, sondern man sollte sie primär als ein Dokument der historischen Entwicklung eines Wissenschaftszweiges betrachten, der grundlegende Bedeutung für das Medizinverständnis hat. Man kann hier also Medizingeschichte zum Anfassen erleben."
Bis 1915 diente sie der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses.
Wenn junge Leute Arzt werden wollen, erlernen sie die Anatomie heutzutage am Computer. Vor gut 80 Jahren noch zeigten die Profesoren ihnen menschliche Leichenteile, Skelette und Schädel. Im Zeitalter von Kunststoff und Computern haben die anatomischen Sammlungen diese Aufgabe jedoch verloren.
Auch wenn uns die Anatomische Sammlung heute skurril vorkommen mag, so verhalf sie den Forschern zumindest bis 1915 doch zu wichtigen Erkenntnissen über den Körperbau, die Organe und ihre Funktionsweisen. Sie vermittelt aber nicht nur medizinische Kenntnisse, sondern gibt auch ein anschauliches Beispiel dafür ab, wie unsere Vorfahren ihre Wissensvermittlung betrieben haben.
In Marburg hat die Universität ihre anatomische Sammlung vor Jahren vom Speicher heruntergeholt, entstaubt und zur öffentlichen Besichtigung freigegeben. Angelegt hat diese Sammlung im Jahr 1809 der Helmstedter Medizinprofessor Christian Heinrich Bünger. Als seine Universität 1809 aufgelöst wurde, brachte Bünger die gesamte Sammlung der Helmstedter Anatomie mit an seinen neuen Wirkungsort in Marburg.
Hier wurde die Sammlung bis etwa 1915 ständig weiter ausgebaut. Um 1850 legte Franz-Ludwig Fick die sogenannte "Rasseschädelsammlung" an, bei der die unterschiedlichen Schädelformen der Bewohner verschiedener Erdregionen dargestellt wurden. Er sammelte auch Schädel von Mördern, weil er hoffte, ihre Schädelform von der anderer Menschen unterscheiden zu können.
Interessierte Besucher können jeden ersten Samstag im Monat zwischen 10 und 12 Uhr beim Anblick von Skeletten, Schädeln oder präparierten Körperteilen - im wahrsten Sinne des Wortes - "hautnah" erleben, wie Medizinstudenten früher die Funktionsweise von Organen oder die Ausprägung von Krankheiten erlernt haben.


Fachchinesisch: "Alma Mater" mit ihrem Latein am Ende?


22.10.2001 * (
FJH)
Wußte in früheren Jahrhunderten ein gebildeter Mensch keinen Rat mehr, dann war er "mit seinem Latein am Ende". Damals sprachen die gebildeten Leute Latein; heute ist Englisch die vorherrschende Sprache der Wissenschaft. Wer als Wissenschaftler internationalen Erfolg haben möchte, der muß gut Englisch sprechen.
Regelmäßig veranstaltet Prof. Josef Krieglstein an der Philipps-Universittät Marburg einen Internationalen Fachkongress zur Erforschung von Medikamenten gegen Hirnschlag. Unter den mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie auch den Referenten sind immer auch Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA und Japan. Sie alle verständigen sich auf Englisch. Den Hirnschlag nenen sie "Cerebral Ischemia", und auch die weiteren Fachausdrücke belegen sie mit englischen Worten.
Auf den meisten internationalen Wissenschaftlerkongressen wird Englisch gesprochen. Die wichtigsten naturwissenschaftlichen Zeitschriften "Nature" und "Science" werden in englischer Sprache gedruckt. 90% der weltweiten Wissenschaftspublikationen erscheinen in Englisch. Auch die meisten wissenschaftlichen Datenbanken sind Englisch.
Psychologie, Politikwissenschaften, Soziologie, Biologie, Chemie und Physik nutzen vor allem Englisch als Wissenschaftssprache. Nur Theologen, Juristen, Ärzte und Philosophen sind auch heute noch nicht mit ihrem Latein am Ende.
Die Gesamtheit der Fachausdrücke einer Wissenschaft und die Regeln ihrer Anwendung nennt man "Wissenschaftssprache". Ihr Erlernen gehört zu den Grundbedingungen der Einführung in ein Fach. Einige Fachrichtungen wie Medizin oder Jura definieren ihre Fachausdrücke in Latein, andere wie beispielsweise Psychologie sind auf Englisch umgestiegen.
"Ist Deutsch noch eine internationale Wissenschaftssprache" lautet der Titel eines Buchs von Prof. Ulrich Ammon. Der Linguist an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg spricht sich darin für "Internationale Studiengänge auf Englisch " aus, wie sie an vielen Universitäten angeboten werden. Grund: "Englischsprachige Lehrbücher sind im Durchschnitt aktueller als deutschsprachige, weil sie - wegen des größeren Marktes - schneller Neuauflagen erreichen."
Wichtig sei - so Ammon - eine gute Sprachkenntis, denn das mitunter anzutreffende Pidgeon-Englisch mache den jeweiligen Wissenschaftler eher lächerlich.
Probleme mit der Ausrichtung ihrer Studienfächer auf Englisch haben übrigens etliche Wissenschaftler in den neuen Bundesländern, die früher eher auf Russisch kommunizert haben. Hier bieten beispielsweise die Technische Universiät Ilmenau und andere Hochschulen besondere Englischkurse für Ingenieure oder Techniker an. Selbst einige Gymnasien - in Marburg beispielsweise die Elisabethschule - führen inzwischen Fachunterricht in englischer Sprache durch.
Auch wenn es manchen Germanisten ärgern mag, ist an ein Zurückdrängen des Englischen als internationale Wissenschaftssprache nach Ammons Einschätzung derzeit nicht zu denken. Nur wenige Fächer greifen hier nach wie vor auf Deutsch zurück; sie sind aber - wie die Papyrusforschung - eher Orchideenfächer. Wenn überhaupt einmal das Englische als Sprache der internationalen Wissenschaft verdrängt werden könnte, dann am wahrscheinlichsten durch Chinesisch.
Schließlich spricht man auch oft vom "Fachchinesisch" mancher Wissenschaften.



Pädagogen-Autonomie: Klafki referierte bei Uni-Tagung


20.10.2001 * (
sfb)
Wer sich dem Lehrerberuf verschrieben hat, kommt an ihm nicht vorbei: Wolfgang Klafki, emeritierter Professor für Schulpädagogik an der Philipps-Universität Marburg. Am Samstagvormittag (20. Oktober) waren indes die Stulreihen im Hörsaal der Geisteswissenschaftlichen Institute sehr spärlich besetzt. Selbst die zweitägige Vortragsreihe "30 Jahre Funkkolleg Erziehungswissenschaft" konnte niemanden locken. Die Veranstalter des Funkkolegs, der Fachbereich Erziehungswissenschaft und der hessische Rundfunk (HR), haben die Entwicklung der Pädagogik seit der ersten Sendereihe vom Jahr 1971 gemeinsam mit deren Autoren bewertet. In diesem Rahmen referierte Klafki über das Thema "Schulentwicklung".
In den vergangenen Jahren - vor allem zu Beginn der 90er - wurde die Forderung nach mehr Selbstständigkeit der Einzelschulen laut. Weniger Zentralisierung, mehr Autonomie heißt die Devise! .
Kommissionen haben sich gebildet, die diese Frage intensiv diskutieren. Klafki selbst gehörte derartigen Kommissionen in Bremen und Nordrhein-Westfalen an.
Die sogenannte "Schulautonomiebewegung" sieht eine Erweiterung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume der Schulen in jeder Hinsicht vor. Klafki zitiert zwei Argumente, die diese Forderung nach mehr Selbstständigkeit begründen. Nach dem "demokratietheoretischen" Ansatz sollen Schüler, Lehrer und Eltern an der Gestaltung ihrer Schule teilhaben. Dies beinhaltet, dass das gemeinsame Tun auch öffentlich gerechtfertigt werden muss.
Das zweite Motiv nennt Klafki "innovationsstrategisch". Organisatorische , didaktische und methodische Qualitäten sollen in der Kooperation von allen am Schulgeschehen Beteiligten diskutiert und verbessert werden.
Die Autonomiebestrebung der Einzelschulen entwickelt auch eigene Programme. Die Schule sollte sich selbst unter Einbeziehung externer Schulforscher evaluieren. Wichtig ist dabei eine realistische Einschätzung eigener Schwächen und Stärken. Ein intensiver und offener Austausch unter den Kollegen ist eine wichtige Vorausetzung hierfür.
Der meistzitierte Erziehungswissenschaftler der Nation gab einige Methoden an die Hand, wie die Schule diese Forderung nach Selbstevaluation am besten umsetzen kann: Man sollte Tagebuchschreiben und eine Sammlung von auffälligen Ereignissen im Unterrichtsgeschehen anlegen. Anschließend können sie im Kollegium oder in kleineren, vertrauteren Kleingruppen diskutiert werden. Aber auch die Schüler sind in das Beobachtungsgeschehen eingebunden, indem sie beispielsweise Fragebögen ausfüllen. Zum Zecke der Qualitätskontrolle sollten außerdem Studenten und Kollegen regelmäßig im Unterricht hospitieren. Nachspielen von Unterrichtsszenen soll dazu beitragen, den Unterricht transparenter zu machen. Bleibt nur zu hoffen, dass bei all der - ohnehin großen - Streßbelastung der Lehrer diese Forderungen überhaupt noch einen Unterricht ermöglichen.


Wissen: Die marburgnews-Orientierungseinheit zum Semesterbeginn


19.10.2001 * (FJH)
"Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine Universität", sagt ein Sprichwort. Jeder vierte Marburger ist Student. Die Philipps-Universität ist Marburgs größter Arbeitgeber. Grund genug, sich jetzt, wo die erste Woche des Wintersemesters vorüber ist, mit einer kleinen Serie an die rund 3.400 Erstsemester zu wenden. Aber nicht nur Studienanfänger, sondern auch erfahrene Uni-Kenner möchte das marburgnews-Team auf interessante Einrichtungen hinweisen, über Themen aus Universität und Forschung informieren oder mit nützlichen Tipps ausstatten. Das Themenspektrum reicht dabei von anrüchiger Wühlarbeit im Untergrund über aktuelle Kongresse zu Pädagogik und Medizin bis hin zur Sprache der Wissenschaft.

Anrüchig: Forschung, die zum Himmel stinkt


19.10.2001 * (
FJH)
"Die Kulturgeschichte der Scheiße ist ja, wenn man so die Literatur durchsieht, bislang noch nicht geschrieben. Andererseits beschäftigen sich erstaunlich viele Wissenschaftler mit diesem doch etwas anrüchigen Gegenstand", erklärt Elmar Altwasser. Der Archäologe und Kunsthistoriker vom Marburger Institut für Bauforschung und Dokumentation (IBD) ist selbst einer davon. Im Zuge der Sanierung der Oberstadt ist er dem mittelalterlichen Kanalisationssystem Marburgs auf den Grund gegangen.
Während in Marburg wegen seiner günstigen Hanglage die Fäkalien durch die Traufgänge zwischen den Häusern entsorgt wurden, gab es in flach gelegenen Städten seit dem Mittelalter Sickergruben in den Hinterhöfen. Vom Inhalt dieser historischen Kloaken versprechen sich die Wissenschaftler wichtige Informationen über den Alltag der Menschen in früheren Zeiten. Seit dem Mittelalter wurden die Gruben über Jahre - oft sogar über Jahrhunderte hinweg - als Ablagerungsort für Exkremente und zugleich auch als Müllhalde für die wenigen Dinge genutzt, die nicht wieder verwendet werden konnten. Es gab sogar einen eigenen Berufsstand, den "Siegener" oder "Goßner", der für die regelmäßige Entleerung der Sickergruben verantwortlich zeichnete.
Was dennoch in der Grube geblieben ist, darin wühlen heute wissbegierige Wissenschaftler in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse: Anhand der erhaltenen Samenkörner oder sonstiger organischer Substanzen läßt sich heute noch feststellen, ob unsere Altvorderen mehr Roggen oder Weizen, mehr Schaf oder Schwein gegessen haben.
Daneben gibt es gelegentlich auch besondere Funde: "In einer Fäkaliengrube in Göttingen hat man einen abgeschlagenen Fuß, oder zumindest die Knochen davon, gefunden. Wir wollen gar nicht an einen Kriminalfall denken; wahrscheinlich war ein Chirurg in dem Haus und hat dort eine Amputation durchgeführt. Das wurde damals nicht so entsorgt wie heute, sondern flog einfach in die Fäkaliengrube."
Bei ihren Ausgrabungen stoßen Archäologen häufig auf historischen Müll. Kloaken verlangen von ihnen allerdings ein Umdenken. Während die Archäologen mit der sogenannten "stratigrafischen Methode" normalerweise die Schichten des Erdreichs nacheinander abtragen und jeder Schicht eine bestimmte Zeit zuordnen können, waren die Kloaken für die Bildung solcher Schichten einfach zu weich. Was in die Grube hineingeworfen wurde, das sank in die Fäkalien ein und ist nun zeitlich nicht mehr so leicht zuzuordnen.
Doch was wäre die Wissenschaft ohne die moderne Technik? Der Göttinger Fäkalien-Forscher Sven Schütte hat einen Weg gefunden, auch die feinen inneren Schichten in den Kloaken sauber voneinander zu trennen: Er konstruierte einen Metallkasten, mit dem er quadratische Blöcke aus dem Inhalt herausstechen konnte. Diese Blöcke wurden dann tiefgefroren, damit sie nicht auseinanderfließen. Die eingefrorene Scheiße hat Schütte dann in der Universitätsklinik mit einem Computertomographen untersuchen lassen. Dieser Computertomograph schneidet digital Scheiben durch den Haufen und gibt so seine Feinstruktur zu erkennen.
Historische Fäkaliengruben ziehen findige Forschungsmethoden an wie ihr Inhalt die Fliegen. Ein Beispiel dafür ist auch die Diplomarbeit des Gießener Ökotrophologen Christoph Seiferth. Er hat den Inhalt von Braunschweiger Fäkaliengruben ausgewertet und mit Rezepten aus zwei mittelalterlichen Kochbüchern verglichen, die auch in Braunschweig aufbewahrt werden. Die einzelnen Rezepte hat Seiferth nachgekocht, den Ernährungsstandard ermittelt, der durch diese Kochbücher gegeben war, und hat das Ergebnis mit dem Inhalt der Braunschweiger Fäkaliengruben verglichen. So konnte er die Ernährungsgewohnheiten der Menschen im 15. und 16. Jahrhundert ermitteln.
Bei seinen Forschungen in Marburg stieß Elmar Altwasser auf ein anderes Phänomen: Schon im 17. Jahrhundert wurde hier mit dem sogenannten "Dreckloch" eine Kanalisation angelegt, die die Abwässer vom Schloß und aus der Oberstadt talwärts in den Mühlgraben beförderte. Den Grund für diese frühe Ingenieurleistung der Kanalbauer kennt Altwasser auch: "Vorher hatten die Bewohner vom Schloß die Scheisse einfach durch einen Aborterker fallen lassen. Sie landete dann auf der Ritterstraße. Ein Professor, der dort wohnte, hat sich beim Landgrafen über die Geruchsbelästigung beschwert; von nun an ging es aufwärts mit der Stadt und abwärts mit der Scheiße!"


Undicht: Live-Operationen zeigen Behandlungswege auf


16.10.2001 * (
FJH)
3,7 Millionen Bundesbürger machen sich in die Hose. Mediziner nennen das "Inkontinenz". In der Öffentlichkeit wird dieses Thema aber weitgehend totgeschwiegen, denn die Betroffenen schämen sich. Nur 15 bis 30 % der Menschen mit behandlungsbedürfiger Inkontinenz geht deswegen zu einem Arzt. Die anderen stecken lieber saugfähige "Vorlagen" in ihre Unterwäsche.
Operative Methoden zur Behandlung von Harn-Inkontinenz stehen im Mittelpunkt des "Internationalen Inkontinenz-Symposiums", das am 19. und 20. Oktober im Marburger Universitätsklinikum stattfindet. Die Veranstalter erwarten rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter renommierte Kapazitäten aus Schweden, Südafrika und den USA.
Ziel der Veranstaltung ist nach Angaben von Prof. Rainer Hofmann die "Qualitätssicherung bei der Inkontinenz-Behandlung". Diese geschieht einerseits durch "Round-Table-Gespräche" über die richtige Zuordnung der passenden Behandlungsmethoden zu den unterschiedlichen Diagnosebefunden, andererseits durch Live-Operationen. Sie gewähren die den Fachleuten Einblicke in die Arbeitsweise besonders erfahrener Operateure.
Die Harn-Inkontinenz kann durch verstärkte Aktivität der Blasenmuskulatur entstehen. Hier ist in aller Regel eine medikamentöse Therapie hilfreich. In Einzelfällen kann aber auch eine Operation Abhilfe schaffen. So wird das Marburger Urologen-Team während des Kongresses einer 23-jährigen Frau eine Art Blasen-Schrittmacher einpflanzen, der die Blasenmuskulatur stimuliert. Sonst könnte sie dieselbe Lebensqualität nur durch Medikamente erreichen, die aber erhebliche Nebenwirkungen wie Antriebslosigkeit, Trockenheit der Haut und andere Probleme zeitigen.
Prof. Hofmann wird vor der Übertragungskamera einer 88-jährigen Frau einen synthetischen Harn-Schließmuskel einsetzen: "Das ist eine sehr seltene Operation. Die anwesenden Urologen und Gynäkologen sollten sie aber einmal gesehen haben, um einschlägige Patienten an die richtige Klinik weitervermitteln zu können."
Prof. E. McGuire aus San Francisco wird den Experten seine weltweit anerkannte Methode der Fasziengürteloperation zeigen.
Hautpthema der Konferenz sind aber die verschiedenen Methoden zur Operation der Stress-Harninkontinenz. "Da gibt es zwei verchiedene Schulen", berichtete Hofmann. In Marburg wendet das Team von Dr. Zoltan Varga alle möglichen Operationstechniken an, je nachdem, für welches Verfahren die gestellte Diagnose spricht. Geprüft werden bei Frauen alters- und schwangerschaftsbedingte Verformungen des Beckenbodens. 90 % der dadurch bedingten Störungen können operativ behandelt werden.
Bei Männern, die nur 10 % der Stress-Harninkontinenz-Patienten stellen, entsteht Inkontinenz in aller Regel nach Prostata-Operationen. Auch hier kann eine weitere Operation Abhilfe schaffen.
Durch die Operation gewinnen die Patienten wieder neue Lebensqualität. Soziale Isolation und selbstzerstörerische Unsicherheit können überwunden werden. Immerhin wird nach Angaben von Dr. Zoltan Varga die Hälfte aller Einweisungen in Pflegeheime mit Inkontinenz der Betroffenen begründet. 2 Milliarden DM an Unterbringungskosten und noch einmal 2 Milliarden DM an Folgekosten könnten seiner Einschätzung nach durch die medizinische Therapie der Inkontinenz weitgehend eingespart werden.



Behinderte Gesellschaft: CDU diskutierte PID


09.10.2001 * (
sfb)
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden ." Verkommt Artikel 3 des Grundgesetzes zu einer farce? Mit ihrem Vortrag "Hoffnung und Befürchtung - eine Diskussion zur Bio-Ethik" versuchte Maren Müller-Erichsen, stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfefür Menschen mit geistiger Behinderung (BVLH) am Montagabend (8. Oktober) eine Annäherung. Dazu eingeladen hatte der "Evangelische Arbeitskreis der CDU" Marburg-Biedenkopf in Marburg. Erschienen waren im Stadthallenrestaurant 25 Interessenten.
Die Enttäuschung war der Referentin anzumerken. Müller-Erichsen kam direkt aus Wildbad-Kreuth von einer Diskussion der CSU zum Thema Bioethik. Zusammen mit Theologen und Juristen hatte sie dort die strittige Frage erörtert, ob die Pränatale Diagnostik (PND) und die Präimplantantionsdiagnostik (PID) ethisch vertretbar sind. Dürfen über künstliche Befruchtung hergestellte Embryonen auf genetische "Defizite" untersucht und anschließend vernichtet werden? Ist es erlaubt, Föten im Mutterleib abzutreiben, wenn eine Krankheit vorliegt? Muß dazu schließlich das Embryonenschutzgesetz geändert werden?
Als Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom ist ihre Position eindeutig. Diese Diagnoseverfahren öffnen der Selektion von menschlichem Leben Tür und Tor. Allein 4.000 bis 8.000 Familien machen jedoch von dieser Art Früherkennung Gebrauch. Das Argument von Verfassungsrechtlern , dass auch Eltern ein Recht auf ein gesundes Kind hätten, ist für Müller-Erichsen nicht vertretbar. Ein behindertes Kind ist ihrer Meinung nach durchaus zumutbar, wie sie aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Sie kenne aber keinen Arzt, der zu einem geistig behinderten Kind rät, geschweige denn auf dessen positive Eigenschaften hinweist. Dabei seien diese Kinder lebensfroh und überaus hilfsbereit. Auch in der Frage, wann menschliches Leben beginnt, gibt es selbst unter Vertretern der Kirche keine eindeutige Haltung. Beginnt es nach der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, oder wenn die 14-tägige Zygote in den Mutterleib verpflanzt wird?
Angesichts der allgemeinen Akzeptanz dieser fragwürdigen Diagnoseverfahren PID und PND rät Müller-Erichsen zur Wachsamkeit nach dem Motto "Währet den Anfängen." Schließlich weiß sie - auch mit Blick auf die NS-Vergangenheit, dass die Deutschen in ihrer Gründlichkeit dazu neigen, immer weitere und defizilere Methoden entdecken zu wollen.
Müller-Erichson sowie die Lebenshilfe sprechen sich aber nicht gegen eine Forschung aus, die heilen will. Dass mit multipotenten Zelltypen kranke Organe und Gewebe ersetzt werden können, sei ein durchaus legitimes und förderungswürdiges Unternehmen.
Immer wieder war zu hören, dass sich die Gießener CDU-Kreistagsabgeordnete mit der strikten Ablehnung von PID und PND wie ein einsamer Rufer in der Wüste fühle - sogar in den eigenen Reihen ihrer Parteifreunde.
In der Diskussion jedoch erntete sie überwiegend Zustimmung.


Medienschelte: Märchen aus 1001 Nacht?


07.10.2001 * (
sfb)
"Ist der Islam gefährlich?" Dieser Frage ging Dr. Al-Khalifeh Ahmed, Generalsekretär der "Islamischen Gemeinde in Deutschland", am Samstagabend (6.Oktober) im Bürgerhaus Cappel nach. Seinen Vortrag über den "Islam in den Medien" hielt der Moslem auf eine Einladung der "Islamischen Schule Marburg" vor gut besetzten Stuhlreihen.
Den hohen Zustrom deutete der gebürtige Ägypter als ein Zeichen für erhöhten Gesprächs- und Informationsbedarf nach den Terroranschlägen in New York und Washington.
"Bietet der Islam wirklich das ideologische Rüstzeug für derartige Terroranschläge?", lautet die oft gestellte Frage. "Nein" heißt die bestimmte Antwort des Münchener Islamisten. Das Bild, das die Medien über den Islam entwerfen, sei schlichtweg falsch. Khalifeh erinnerte an das in allen Kanälen mehrmals ausgestrahlte Bild von Kindern und einer älteren Frau in Palästina, die vor Freude über den Terroranschlag jubelten. Dies sei eine willkürliche Verknüfung von unabhängigen Ereignissen. Wie sich herausgestellt hat, habe es andere Gründe für diesen Freudenausbruch gegeben. "Die Muslime verehren einen Stein", sei eine ähnliche Schlußfolgerung, die beim Anblick von pilgernden Menschenmengen in Mekka entsteht. Außerdem werden Begriffe falsch übersetzt. Den Begriff "Gihad" beispielsweise geben die Medien mit "Heiliger Krieg" wider. Dieser Begriff existiere allenfalls in der mittelalterlichen Kreuzzugs-Ideologie der Christen. Ebenso falsch sei es von Koranschulen in Deutschland zu sprechen. Es gebe lediglich einen Ersatz für islamischen Religionsunterricht, da ihn deutsche Schulen nicht anböten. Dass die Frau in der islamischen Gesellschaft unterdrückt wird, entspreche ebenfalls nicht der Wahrheit.
Das "System Presse" interpretiere die Ereignisse nicht nur interessegeleitet, es verfahre auch nach dem "Stille- Post-Prinzip". Falsche Meldungen würden kritiklos und ungeprüft von anderen Journalisten übernommen und weiter verbreitet.
Diese Berichterstattung habe zur Folge, dass das bisher friedliche Zusammenleben von gemischt religiösen Gruppen in Deutschland nun erheblich gefährdet sei. Die zur inneren Sicherheit eingeführte Rasterfahndung sowie die Rücknahme des geplanten Zuwanderungsgesetzes diskriminiere überdies die Muslime. Das "Erdbeben" in Amerika habe viele Nachbeben zur Folge, so der Moslem. Ein weiteres Nachbeben sei der "Angriff auf die Gerechtigkeit". Die USA habe einen Hauptverdächtigen, dessen Spur sie blindlings verfolge. In andere Richtungen werde aber nicht ermittelt.
Was tun?, fragt sich da der Islamist. Die so entstandenen Vorurteile über den Islam können nur abgebaut werden durch einen ständigen Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, durch ein Aufeinanderzugehen, indem man zum Beispiel gemeinsame Feste feiert, und nicht zuletzt durch eine Teilnahme der Muslime in Staat und Gesellschaft.
Zur Ehrenrettung des imagegeschädigten Islam betonte Khalifeh immer wieder seine positiven Seiten. Dabei erinnerte er an die friedliche Koexistenz von verschiedenen Religionen während der 500-jährigen Herrschaft der Araber auf der Iberischen Halbinsel. Schließlich heiße" Islam" wörtlich übersetzt Friede.
Das ist aber nichts Neues, hat Al-Khalifeh doch vergessen zu erwähnen, dass die vielgescholtene Presse sowie die Schulbücher gerade diese Eigenschaften des Islam vermitteln. Salem Aleikum!


14.09.2001 * Ideal: Ein Gentleman à la Kahl


Wissenschaft


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